Rohstoff – Geschichte

3. Dezember 2014 Literatur und Presse Posted In: Allgemein

Essays zum Projekt ROHSTOFF GESCHICHTE:

RG-Schaufenster-NOe-7-8-2015ROHSTOFF GESCHICHTE in: Schaufenster Kultur.Region Juli/August 2015, S. 37.

Seit gut drei Jahren trägt das Projekt Rohstoff Geschichte Fotografien, Dokumente und Erinnerungen zu 100 Jahren Erdöl und Erdgas im Wiener Becken zusammen. Zeit für einen erneuten Rückblick und Ausblick auf unsere Geschichtswerkstätten und digitalen Ausstellungsprojekte in der Zeitschrift “Schaufenster Kultur.Region”.

Schaufenster NOe_feb_2013Gehobener, ungehobener Schatz: Das Projekt ROHSTOFF GESCHICHTE in: Schaufenster Kultur.Region Februar 2013, S.36-37

“Die Geschichte beginnt mit einem Knall. Mit einer Art von Unfall, die in diesem Winkel der Erde bis dahin unbekannt war. Mit einer Gasexplosion. In Egbell, heute slowakisch Gbely, zu k. u. k. Zeiten Oberungarn, in den Niederungen der March nur wenige Kilometer oberhalb von Hohenau, war ein Gehöft in die Luft geflogen.” Je nach Lesart mit einem Unfall, oder mit dem genialen Einfall des slowaktischen Bauern Jan Medlen beginnt 1913 das Zeitalter von Erdöl und Erdgas im Wiener Becken. Viel zu wenig ist über die spannenden Geschichten seither bekannt.

Cover1_Weinviertel.inddBirgit Johler / Benjamin Steininger: Ölviertel. Anmerkungen zu einem niederösterreichischen Bodenschatz. in: Mella Waldstein (Hg.): Das Weinviertel. Mehr als Idylle. Weitra: Verlag der Provinz 2013, S.112-119.

Zur Kulturgeschichte des Weinviertels gehört neben Kellergassen, Gärten und Gutshöfen, neben archäologischen Funden und mineralogischen Schätzen im 20. Jahrhundert auch die Geschichte von Öl und Gas. Es ist nicht zuletzt die Geschichte dieser fossilen Rohstoffe, die der Region ihren Platz in der Weltgeschichte des 20. Jahrhundert sichert. Diese Industriegeschichte als Teil der Regionalgeschichte, als Teil der Identität des Weinviertels neu zu entdecken, ist eines der Ziele von Rohstoff Geschichte, auch im Kontext dieses prominent besetzten Bild- und Sammelbandes.   Beiträge zur Kulturtheorie der fossilen Rohstoffe:

wesselysteiningerBenjamin Steininger / Christina Wessely: Zeitspeicher. Zur Globalisierung und Ökonomisierung von Erdgeschichte. In: Recherche. Zeitschrift für Wissenschaft 3/2010, S. 26-27.

Vor einigen Jahren fand man sie auf den Speisekarten guter Restaurants und schließlich im normalen Supermarktregal: Luxuswässer aus aller Herren Länder. Der Klassiker unter diesen wahrhaft globalen Getränken ist das „Fiji-Water“. Wie in einem Brennglas ist der bizarre Reiz, aber auch die Problematik fossiler Rohstoffe im Fijiwasser versammelt. Globalisierung wird bislang vor allem als Erschließung des Raumes begriffen, als Zeitalter der fossilen Rohstoffe ist sie aber genau das: Die Nutzung und Erforschung von Erdzeit.

Stoffe in BewegungBenjamin Steininger: Pipeline. Am Puls der fossilen Moderne, in: Kijan Malte Espahangizi / Barbara Orland (Hg.): Stoffe in Bewegung, Beiträge zu einer Wissensgeschichte der materiellen Welt, Berlin / Zürich: Diaphanes 2014, S. 231-244.
Pipelines bilden eines der wichtigsten Verkehrssysteme der Moderne. Milliarden Tonnen an Erdöl und Erdgas passieren jährlich das Röhrennetz; die Basis der globalen Energieversorgung. Der Essay untersucht die epistemische Tragweite einer Infrastruktur, über die die schnell getaktete Moderne mit den außermenschlichen Zeitregimes fossiler Lagerstätten kurzgeschlossen wird. In Bezug auf Lagerstätte, Raffinerie und Tankstelle lässt sich zeigen, welche Wissensbestände in die Epoche fossiler Rohstoffe eingebaut sind und wie Konzepte von technischer und natürlicher, globaler Zirkulation hier gemeinsam entwickelt werden.

Weiterführende Literatur zum Österreichischen Öl:

Oeldorado-Weinviertel-CoverGerhard Ruthammer: Öldorado Weinviertel, Schleinbach: Winkler-Hermaden 2013

Wie einst der Legende nach ein riesiger Goldschatz in einem Bergsee der Anden versank und zum sagenhaften „Eldorado“ wurde, lagerte sich vor Jahrmillionen auf dem Grunde der Meere im Wiener Becken organisches Material ab, aus dem das Erdöl entstand. Das Weinviertel wurde zur Schatzkammer des schwarzen Goldes – zum „Öldorado“. Gerhard Ruthammer erzählt in seinem soeben erschienenen Buch „Öldorado Weinviertel“ von der Entstehung des Erdöls und Erdgases, der Suche nach deren Lagerstätten sowie von ihrer Erschließung und Förderung – und versucht vor allem, die hinter dieser bewegten Geschichte stehenden Menschen und deren Umfeld durch Bilder und zeitgenössische Berichte und Texte einzufangen.

SMV-OMVWalter M. Iber: Die Sowjetische Mineralölverwaltung in Österreich. Zur Vorgeschichte der OMV 1945-1955, Wien: Studienverlag 2009.

Zu Kriegsende 1945 war Österreich nach der Sowjetunion und Rumänien das wichtigste Erdölland Europas. Die Förderung war in der NS-Zeit für die deutsche Rüstung beträchtlich erweitert worden. Daher richtete die sowjetische Besatzungsmacht ein besonderes Augenmerk auf die österreichische Erdölindustrie, die sie nach Kriegsende großteils als “Deutsches Eigentum” beschlagnahmte und der Sowjetischen Mineralölverwaltung (SMV) einverleibte. Erst nach dem Staatsvertrag wurde die SMV 1955 gegen Ablösezahlungen an die Republik Österreich übergeben und zur Österreichischen Mineralölverwaltung umorganisiert. Heute ist die OMV eines der wichtigsten österreichischen Unternehmen. Das Buch thematisiert die Wirtschaftspolitik der sowjetischen Besatzungsmacht und die Entnahmen Moskaus als Defacto-Reparationen. Im Kalten Krieg entwickelte sich das österreichische Erdöl zu einem bedeutenden militärpolitischen Faktor.

wespennest_139wespennest. zeitschrift für brauchbare texte und bilder: nummer 139 (2005): Öl!

Öl – Symbol, Mythos und Politikum. Wespennest Nr. 139 gibt Hinweise für mögliche Entschlüsselungen: Robert Rotifer liest subtile Spuren des Öls auf den Straßen Londons, Anthony Robinson kommentiert die Affäre um Michail Chodorkowskij im Konnex von Öl, wirtschaftlicher und politischer Macht und Gerhard A. Stadler durchquert ausgehend vom 19. Jahrhundert die Geschichte des Öls in Österreich. Einen Ausschnitt ganz anderer Art zeigen die Arbeiten des Foto-KollektivRetina: Fotografische Alltagssequenzen aus der Provinz Niederösterreichs, die von einer sozialen Struktur erzählen, die eng mit der Ölproduktion verwoben ist. Außerdem: ein Poem über die unterirdische Naturmacht von dem Metarealisten Alexej Parschtschikow und drei Zeichnungen des figürlichen Malers Josef Schützenhöfer zum Thema. Zwei Beiträge zum Erdöl in Galizien, Ursprungsregion des österreichischen Ölwesens:

BoryslawJérôme Segal: Schwarzes Gold und gelber Stern. Mobilitätsformen galizischer Juden, die in die Ölindustrie investierten, in: David. Jüdische Kulturzeitschrift 84 (2010)
Jérôme Segal and Renaud Lavergne: The Chaotic Saga of Oil in Galicia, in: The Galitzianer (2012) Dezember, S. 9-13.

Ab den 1850er Jahren, und das heißt noch vor dem amerikanischen Ölrausch entsteht in der damals österreichischen Provinz Galizien (heute Polen bzw. Ukraine) eine international bedeutende Ölindustrie. Besonders jüdische Unternehmer wagen sich auf das neue Terrain. Bis 1938 lässt sich über das Öl die Verbindung von Wiener Unternehmerschaft, Galizischer Industrie und jüdischem Bürgertum nachzeichnen – auch in der lange vergessenen Familiengeschichte des Verfassers dieser Essays. Im Umfeld der RAG sind in den letzten Jahren zwei historisch orientierte Broschüren erschienen:

RAG-Gaiselberg 75 Jahre Energie aus der Tiefe (Firmenporträt, 2010), sowie: 75 Jahre Energie aus der Tiefe; Zistersdorf (Jubiläum der Sonde Gaiselberg 1, 2013)

Die technisch-ökonomische Geschichte des ältesten, noch am Markt befindlichen, österreichischen Erdölunternehmens, sowie die Geschichte einer der wohl ältesten, noch in Betrieb befindlichen Ölsonden weltweit, von Gaiselberg 1, bilden den Gegenstand dieser beiden Firmenschriften.   Presse zum Projekt ROHSTOFF GESCHICHTE:

NÖN vom 21.1.2013:

NOeN-24-01-2013

OMV-Move 2013 OMV-MOVE-12-13_Panorama_DE-Druckfahne
RAG-Aktuell März 2013

RAG aktuell Maerz 2013

NÖN-Mistelbach 18.6.2013:

Artikel in der NÖN zur Geschichtswerkstatt in Rabensburg Quelle: NÖN vom 18.6.2013

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